WARUM WIR DAS BARGELD BRAUCHEN

Würde meine Sparkatze im Moment Nachrichten gucken, würde ihr das nicht gefallen. Schon bald soll sie keine Mäuse mehr bekommen. Es geht oft um Geld. „Bundesregierung plant 5000-Euro-Grenze für Bargeld-Zahlungen“, „SPD will 500-Euro-Scheine abschaffen“ und „Händler in Kleve verzichten auf 1- und 2-Cent-Münzen.“

Erinnerst Du Dich noch an früher?, würde meine Glückskatze schnurren. Jeden Sonntag hat Dir Deine Mama einen Euro Taschengeld gegeben und ihr habt ihn dann zusammen in meinem Bauch gesteckt. Dieses Geräusch! Es klirrte wohlig. So hast Du den Umgang mit Geld gelernt. Aber wie sollen das die Kinder nun in Zukunft ohne Bargeld tun? Wie sollen sie Relationen zwischen Zahlen herstellen, die sie nur vom Papier kennen? Wie sollen sie den Wert einschätzen und ein Gefühl dafür bekommen, was viel und was wenig ist?

Die neue Generation könnte mit Dagobert-Duck-Comics nichts mehr anfangen. Worin der da wohl schwimmt? Das sieht ein bisschen so aus wie das Foto auf Seite 107 in unserem Geschichtsbuch. Sie würden eines meiner Lieblingsspiele von früher nicht mehr verstehen: Monopoly. Heute ist Dein Geburtstag. Zahle jedem 20 Euro. Die Kinder würden das Spiel nicht begreifen, unsere alte Welt nicht. Die Regeln müssten umgeschrieben werden. Nicht nur die von Monopoly.

Auch das Märchen vom Sternentaler würde in ihren Augen keinen Sinn mehr ergeben. Dann schon eher Hans im Glück. Er tauscht schließlich auch seinen Goldklumpen ein, der ihm zu unpraktisch ist. Doch auch er verliert von Tausch zu Tausch mehr Wert. Gold, Pferd, Kuh, Schwein, Gans, Stein. So ist das auch hier: Wir verlieren unsere Unabhängigkeit. Was passiert denn eigentlich mit meinen ganzen Daten?

Der Staat wird herausfinden, mit wem ich wann und wo Sex habe. Welche politische Einstellung ich habe. Wo ich mich aufhalte. Einfach alles. Vermutlich wird er mehr über mich wissen als ich selbst und Zusammenhänge erkennen, auf die ich vielleicht gar nicht kommen würde.

Und dabei sollen eigentlich Terroristen und Geldwäscher bekämpft werden. Aber ich fürchte, gerade die werden das neue System für sich zu nutzen wissen.

In meiner Sparkatze sammele ich noch heute meine gefundenen Glücksmünzen. Dieses Gefühl, wenn ich irgendwo ein 1-Cent-Stück finde. Meine Mutter hat die traditionelle Cent-Sammlung für meine Brautschuhe. Werden das die Bewohner der nordrhein-westfälischen Stadt Kleve nicht vermissen?

VERÖFFENTLICHT IN MEINER KOLUMNE "KLEBE-NOTIZEN" AUF WWW.BILANZ.DE AM 09. FEBRUAR 2016

Kommentare:

  1. Ein wundervoller Beitrag! Ich könnte auch gar nicht damit umgehen, wenn plötzlich das Bargeld weg wäre! Auch ich habe viele Kindheitserinnerungen daran und ich finde es ebenso super wichtig für Kinder, um den Umgang zu lernen. Was ist denn dann mit dem Glückspfennig? Der hat mir schon so oft den Tag erhellt.

    Ja ich würde es so sehr vermissen, genau wie ich lieber Bücher in der Hand halte, als E-Books zu lesen.

    Ich wünsche dir einen wundervollen Abend <3
    Liebst, Sarah von Belle Mélange

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  2. Zum einen hast du diesen Beitrag wirklich wunderschön geschrieben. Ich mag es wie du das Gefühl beschreibst, was glaube ich die meisten wirklich noch kennen. Dieses Geräusch wenn die Münzen in das Sparschwein fallen. Wie es sich verändert wenn es immer voller wird und wie erstaunlich schnell man doch eine recht hohe Summe zusammen hat - dafür das man doch nur das 'Kleingeld' rein geworfen hat. Die Relation zu Geld wird mit dem Alter meist geprägt, war früher 2 DM die Welt sind heute die 2 Euro doch fast gar nichts mehr Wert.

    Zugegeben ich habe nie Bargeld mit mir - in den seltensten Fällen und doch würde ich nicht wollen das wir auf dieses Verzichten. Wie du schreibst: Wie soll man den Umgang mit Geld lernen, wenn es eine rein Fiktive Sache wird?

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  3. Schwieriges Thema! generell bin ich absolut gegen eine Abschaffung des Bargelds, allerdings würde ich sehr begrüßen endlich alles und überall mit Karte bezahlen zu können. Ja! Auch beim Bäcker ums Eck und auch das Kaugummi für 1,95€. Man sollte die Wahl haben was einem Lieber ist. Ich persönlich zahle sehr gerne mit Karte, da ich ungern viel Bares bei mir trage und so die Geldbörse auch mal zu Hause lassen kann. Außerdem habe ich, dank Online Banking, den perfekten Überblick über meine Ausgaben.

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